Zeige dich und dein Inneres

17.03.2022 / Oliver Wittwer / PDF

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Viele von euch gehen den inneren Weg. Ihr lest Bücher, besucht Kurse oder Vorträge, meditiert und nehmt vielleicht auch mal ein Coaching in Anspruch. Ihr spürt, dass die Welt nur heilen kann, wenn die Menschen nach innen gehen, sich mit sich selber auseinandersetzen, die inneren Begrenzungen und Ängste überwinden und ihre inneren Wunden heilen. 

Wie viele eurer Mitmenschen wissen darum? Wie viele wissen um eure innere Weisheit? Um eure Erkenntnisse, die ihr auf diesem Weg schon gesammelt habt? Von euren Kämpfen, euren Siegen und eurem inneren Wachstum? Sprecht ihr regelmässig mit eurem Partner darüber? Tauscht ihr euch darüber aus? Zeigt ihr euch euren Familienmitgliedern? Sprecht ihr auch mal darüber, was euch bewegt, was ihr denkt und fühlt, wenn ihr mit Freunden oder Bekannten zusammen seid? 

Ich hatte Jahrzehnte lang darunter gelitten, dass mich niemand gesehen hat. Dass niemand wirklich meine Tiefen, mein Inneres, mein Wesen erkannt hatte. Kaum jemand hatte mich je danach gefragt. Und da mich niemand danach fragte, glaubte ich, dass die anderen sich nicht für mich interessierten. Ich hoffte lange, dass ich irgendwann erkannt würde. Damit ich endlich den Menschen geben darf, sie beschenken kann. Ich muss hier noch anmerken, dass ich früher sehr introvertiert war. Ich sprudelte nur ganz selten, nur dann, wenn sich mal jemand für mich und meine Gedanken interessierte und mich mit Fragen löcherte. Ansonsten war ich still. Und ich konnte auch nicht sonderlich gut über meine Gefühle und meine Innenwelt sprechen. Das hatte ich nie gelernt. Zum Glück hat sich das mittlerweile komplett geändert. 

Vor einiger Zeit erkannte ich, dass mich die anderen wohl nie so sehen würden, wie ich bin, wenn ich mich ihnen nicht zeigen würde. Denn ich wusste ja mittlerweile, wie sehr die Menschen in ihrem Alltag, in ihren Sorgen und Problemen eingebunden sind. Wie wenige Menschen sich wirklich die Zeit nehmen, sich auch mal mit ihrem Inneren zu beschäftigen. Also entschloss ich mich, mich ab nun einfach zu zeigen. Meinen Mund aufzumachen, wenn gerade nur oberflächliches Gerede im Raum war. Den Raum für ein tiefergehendes Thema zu öffnen. Zu zeigen, dass es mehr gibt. Mit meinen Eltern nicht nur oberflächlich über Banalitäten des Alltags zu reden, sondern einfach von mir zu erzählen. Was mich bewegt. Wo ich innerlich stehe und hingehen will. Und einiges mehr. 

Mit meiner Frau tausche ich mich schon seit Jahrzehnten praktisch täglich über diese inneren Themen aus. Oft nach dem Abendessen, oder auch tagsüber besprechen wir Situationen, analysieren Menschen, reflektieren uns selber und gehen in die Tiefe. Das ist ein unglaublicher Schatz, der sich dadurch in den letzten Jahren in uns entwickelt hat. Wenn ich dann andere Menschen frage, ob sie sich auch regelmässig mit ihrem Partner austauschen, ist die Antwort oft nein. Das macht mich traurig. Auch macht es mich traurig, wenn Menschen zusammen sind, die eigentlich alle etwas zu sagen und zu geben hätten, aber einfach nur schweigend oder oberflächlich quatschend im Raum sind, und nichts Tiefes fliesst. 

Jeder, der schon mindestens einen Schatz aus seinem Inneren gehoben hat, kann geben. Kann für andere Impulsgeber sein. Kann Wachstum, Entfaltung, Entwicklung und Heilung bei anderen bewirken. Also habe auch du jetzt den Mut, fasse den Entschluss, dich und dein Inneres zu zeigen. Die Menschen brauchen dich. Warte nicht, bis sie dich fragen. Biete ihnen dein Inneres an. Aber dränge es nicht auf. Sei Licht und Liebe.